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Kolumne - Antifaschismus
Geschrieben von: Administrator   
Montag, den 23. November 2009 um 21:27 Uhr

Rund zwei Dutzend Neonazis sind am Sonntagabend mit Fackeln und einer verbotenen Reichskriegsflagge durch Meldorf (Kreis Dithmarschen, SH) gezogen. Dabei skandierten sie laut rechte Parolen, teilte die Polizei Itzehoe am Montag mit. Die in jüngster Vergangenheit vermehrten Aktivitäten  von Anhängern der rechten Szene im nördlichen Schleswig-Holstein fallen immer mehr auf.

Bevor die ersten Streifenwagen am Einsatzort eintrafen, hatte sich der ungenehmigte Fackelzug in Heide jedoch aufgelöst. Das Dezernat für Staatsschutzdelikte der Bezirkskriminalinspektion Itzehoe nahm die Ermittlungen auf. Die Teilnehmer kamen unter anderem aus den Kreisen Dithmarschen, Steinburg und Pinneberg. Dieser Vorfall reiht sich nahtlos in eine Reihe von Demonstrationen und Vorkommnissen ein, die im nördlichsten Bundesland von der rechten Szene ausgingen.

provozierende NeonazisDie vermehrten Aktivitäten von Anhängern der rechten Szene fallen gerade im nördlichen Schleswig-Holstein besonders auf. Weil die (industrielle) Infrastruktur nördlich des Nord-Ostsee-Kanals unterentwickelt ist, fehlt es an Ballungszentren in leicht erreichbarer Nähe. Wegen der überwiegend ländlichen Struktur, fehlt den Neonazis die Entfaltungsmöglichkeit. Sie finden hier zu wenig Anhänger, um etwas erreichen zu können. Kennzeichnend ist die - Flächenregion bedingte -  schwierige Erreichbarkeit von kulturellen Veranstaltungen und ein relativ eingeschränktes Bildungsangebot. Viele junge Menschen verlassen die Region.

Immer wieder - und in letzter Zeit verstärkt - schwappt die Welle aus der Landeshauptstadt Kiel aber vor allem aus Hamburg ins nördliche Schleswig-Holstein. Der Boden dafür scheint bereitet. Denn der Nationalsozialismus ist in der Region immer noch latent verbreitet. Erst am 22.09.2009 wurde in Albersdorf bei Heide während der Gemeinderatssitzung Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft einstimmig entzogen. 
Auch der benachbarte Kreis Nordfriesland ist historisch in seiner „nationalistischen Vergangenheit“ belastet. Über 60% der Nordfriesen wählten in den dreißiger Jahren die NSDAP an die Macht. Im Dorf Wittbek nahm Hitler laut Husumer Nachrichten die Ehrenbürgerschaft an, da das Dorf fünfmal hintereinander mit allen Stimmen für die NSDAP gestimmt hatte. Das Gedankengut der Nazis ist bis heute immer wieder spürbar. In Nordfriesland gab es zur Bundestagsahl einen besonders engagierten Wahlkampf der NPD. In Husum, der nordfriesischen Kreisstadt, kam es in jüngster Zeit mehrfach zu Aggressionen mit Körperverletzung, die Neonazis zugeschrieben wurden. Diese Aggressionen richteten sich überwiegend gegen junge Menschen, die sich zuletzt schon arg bedroht fühlten. Die Folge war eine Demonstration gegen ein "braunes" Husum.

Nazi-Demo, Hamburg, 1. Mai 2008Doch die eigentliche Gefahr liegt in der Strategie der rechten Strukturen. Die üblichen öffentlichkeitswirksamen Auftritte, wie die Großdemo am 1. Mai 2008 in Hamburg oder im Frühjahr diesen Jahres in Pinneberg, die im südlichen Schleswig-Holstein stattfinden, erwecken oft den Anschein von "Brot und Spiele" für das rechte Fußvolk - und für die neuen Sympatisanten. Die werden zumeist still und leise vor Ort angeworben. Häufig treten Neonazis auch offen in Internet-Communities auf. Einige bekannte Neonazis aus Nordfriesland tummeln sich gerne bei den VZ-Netzwerken aber auch auf der Kinder-Community "Knuddels".

Klar ist: Die Demonstration gegen ein "braunes" Husum war ein notwendiges Engagement. Nun darf sich nicht ausgeruht werden. Die Aktivitäten müssen weitergehen. Denn auch in scheinbar "verträumten" Landstrichen, wie dem nördlichen Schleswig-Holstein, sind die Neonazis aktiv.

Klar ist aber auch, dass die jungen Menschen, die die Demonstration organisiert haben, ein tolles Engagement an den Tag gelegt haben. Nur schade, dass so wenig ältere Menschen dem Aufruf gefolgt sind.  Völlig unverständlich ist die Tatsache, dass die meisten Parteien nur durch ihre Jugendverbände vertreten waren.  Hier scheint noch viel Aufklärungsarbeit nötig zu sein. Die Organisatoren kamen meist von zwei Husumer Gymnasien. Scheinbar werden sie automatisch in eine "linke Chaotenecke" eingeordnet.
Anders ist das Fernbleiben der Politiker, CDU und FDP waren gar nicht vertreten, nicht zu erklären. An mangelnden Informationen kann es nicht gelegen haben. Der Kreistag Nordfriesland lässt sich regelmäßig - aufgrund politischer Initiative - im Kultur- und Jugendhilfeausschuss über „rechtsextreme Tendenzen in der Region“ berichten. Und auch in der Presse wurden immer wieder Vorkommnisse thematisiert. 


Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 30. Dezember 2009 um 12:25 Uhr
 

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