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Große Mehrheit will Hartz-IV-Empfänger arbeiten lassen PDF Drucken E-Mail
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Kommentare - Hartz IV
Geschrieben von: Thomas Repp   
Mittwoch, den 17. März 2010 um 11:02 Uhr

Laut einer stern-Umfrage sind fast drei Viertel der Befragten dafür eine Arbeitspflicht für Hartz-IV-Empfänger einzuführen. Damit wird wieder einmal die einfachste (und schlechteste) Lösung favorisiert, weil sie medial geschickt aufbereitet wird. Haben wir Deutschen aus unserer Vergangenheit nichts gelernt?

Bleistifte: Wie bastel ich mir eine Statistik, wie die passende Wahrheit? KLICK zum vergrößernEine überwältigende Mehrheit der Deutschen fände es gut, wenn es für Hartz-IV-Empfänger eine Pflicht zu gemeinnütziger Arbeit geben würde. In einer Umfrage für das Hamburger Magazin stern sprachen sich fast drei Viertel (72 Prozent) für eine derartige Arbeitsverpflichtung aus. Damit könnte ihrer Ansicht nach eine Gegenleistung für die staatliche Unterstützung erbracht werden. Nur 24 Prozent lehnen eine solche Arbeitspflicht ab. 1001 repräsentativ ausgesuchte  Bundesbürger wurden vom Forsa-Institut im Auftrag des stern-magazins befragt.
Die Bejahung ist weitgehend unabhängig von der jeweiligen politischen Coleur. Zwar findet die Idee die meiste Zustimmung bei den Wahler der FDP (88 Prozent) und der Union (87 Prozent), doch auch Wähler der SPD (58 Prozent), Grünen (56 Prozent) und sogar der Linken (51 Prozent) sind mehrheitlich für den Arbeitseinsatz. 

Die Ergebnisse sind erschreckend. Denn hier wird die einfachste Lösung, geschickt von Interessenvertretern protegiert. Wenn alle Hartz-IV-Empfänger im gemeinnützigen Bereich arbeiten, wird es ihnen letztlich schaden aber erst recht der Gesellschaft.
Denn das die Idee der Ein-Euro-Jobs nicht funktioniert ist bewiesen. Schlimmer noch: Lange Zeit gab es Probleme damit, dass sich Firmen auf Kosten der Langzeitsarbeitslosen bereichert haben. Die Arbeiten, die diese erledigen mussten, waren nicht zusätzlich, was faktisch einem Abbau sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze gleich kam. Würde die Arbeitspflicht für Hartz-IV-Empfänger eingeführt, wäre der weitere Ausbau des Niedriglohnsektors ebenso unvermeidbar wie (Massen)Entlasungen. Letztlich würde die Gesellschaft mit Ausnahme weniger Reicher nur leiden.
Und auch für die Betroffenen gab es erwiesenermaßen negative Folgen: Wer 20 bis 30 Stunden arbeitet, kann sich nicht mehr intensiv um eine sozialversicherungspflichtige Arbeit kümmern. Damit wäre der gegenteilige Effekt von dem erreicht worden,was erreicht werden muss, soll die Misere jemals ein Ende finden: Die Arbeitslosigkeit muss abgebaut werden.

Doch abgesehen von den Folgen für die Betroffenen im Besonderen und die Gesellschaft: Es ist erschreckend, wie leichtgläubig unsere Gesellschaft ist.es scheint, als ob uns die Webung, die BILD und andere einschlägige Mainstream-Medien das Gehirn aufgeweicht haben.Vergangene Woche hatte die nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft mit ihrem Vorschlag für kontroverse Diskussionen gesorgt, Langzeitarbeitslosen gemeinnützige Jobs anzubieten. Von einer Arbeitspflicht war nicht die Rede. Allerdings haben viele Medien dieses Wort schnell aufgenommen, als Politiker von FDP und Union diesen Begriff aufbrachten. In NRW ist Wahlkampf und nichts ist besser als der SPD in NRW zu schaden - gleichgültig was für ein Fass aufgemacht wird.
Dabei hat Deutschland in der Vergangenheit schon eine ähnliche Situation erlebt. Auch damals wurde "Arbeit für Alle!" gebrüllt. Auch damals wurden Menschen durch geschickte Manipulation auch mit Hilfe von Medien an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Damals wurden sie massenhaft getötet. Und wie geht es heute weiter?

 

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